Interview mit Geraldine Hausar: “Meine two cents zur Startup-Szene und Berlin …”

Barbara Geraldine Hausar bat mich, ihr ein paar Fragen zur Startup-Szene, Berlin und meiner Person für Ihren Interview-Blog zu beantworten.

Transkript des Interviews:

Geraldine: Ich sitze im wunderschönen Weinbergspark. neben Phil und er ist ein Jung-Unternehmer und gut aussehend. Was machst Du?

Phil: Ja ich bin Internetunternehmer und arbeite für die Firma TRIBAX und wir bauen soziale Communitys für Unternehmen und beraten Unternehmen in der Nutzung von dem schönen Schlagwort Social Media.

Geraldine: Wie sieht das genau aus? Wie kann man sich das vorstellen als nicht BWLer … Internet-Nerd?

Phil: Ganz einfach. Als Unternehmer fragst Du Dich irgendwann, dieses Internet, Facebook, Twitter und Co. wie nutze ich das für mich? Und wir entwickeln digitale Strategien – sprich wir analysieren, wo der Kunde heute steht, was er für Produkte hat und welche Dienstleistungen er anbietet und entwickelt zusammen mit dem Kunden Strategien die Kommunikation, die er sonst klassisch mit PR und mit Marketing macht, auf Social-Media-Kanälen zu betreiben, um dort effektiv mit Kunden und Partnern Dialoge zu betreiben.

Geraldine: Wie lange machst du das schon?

Phil: Internet schon zu Schulzeiten. Ich habe ganz klassisch angefangen, wenn man das klassisch nennen kann, mit dem Bauen einer Homepage für die Schule. Hab dann ein Praktikum bei der Deutschen Messe AG, die auch die Cebit machen, gemacht und habe dort in den Bereich der Webseiten Programmierung ein bisschen reingeschnuppert. Dann bin ich über zwei Semester Studium von Informatik hier hängengeblieben in der ersten Blase wo die ersten Internetunternehmen in Berlin 2000/2001 aufgemacht haben. Da gab es Schlagworte wie First Tuesday, die ersten Berater kamen hierher und das war die Geburtsstunde der New Economy in Berlin. Seitdem bin ich in unterschiedlichen Firmen in der Berliner Blase aktiv.

Geraldine: Das heißt, Du bist ein richtiger Internet-Nerd?

Phil: Wohl kaum. Wenn ich mit meinem Programmierer spreche, würden die mir das absprechen. Ich bin einfach kein Programmierer. Ich habe zwischenzeitlich BWL studiert und habe eher so die betriebswirtschaftliche Perspektive. Von dieser gucke ich mir das Thema an. Ich bin aber sehr Social Media engagiert/verliebt und habe da dann auch ein bisschen Technik dabei. Bin aber eher BWLer als Nerd.

Geraldine: Dein Start-up ist seit wann aktuell?

Phil: Das Start-up ist mit einer Vorversion 2007 gestartet. Offiziell dann 2008 mit einer Beteiligung von der Investitionsbank Berlin-Brandenburg gestartet und hat sich, wie gesagt, ursprünglich nur um Plattformen bewegt mit einem Produkt in diesem Bereich. Was wir immer mehr tun, ist die Beratung von Kunden in der Nutzung von Social Media. Sprich helfen digitale Konzepte zu entwickeln.

Geraldine: War das Schwierigste? Hast Du irgendwann gedacht ich haue das hin?

Phil: Was heißt, ich haue es hin? Du hast zwangsläufig, wenn du ein Unternehmen gründest, eine Idee, die du verfolgst. Siehst dann aber unterschiedliche Bewegungen auf dem Markt mit neuen Produkten. Der Internet-Bereich ist ja zwangsläufig etwas, was sich sehr schnell dreht, innoviert und mit neuen Dingen auf einen zukommt. Und wenn man nicht in der Lage ist, sich diesen schnellen Wandlungsprozessen anzupassen, wird man schnell scheitern. Insofern gehört das beim Gründen dazu in dieser Branche.

Geraldine: Bist Du eigentlich Berliner?

Phil: Ursprünglich nicht. Ich bin Hannoveraner. Was man daran merkt, dass ich keinen Dialekt habe. Da ich kein Dialekt habe, spreche wohl immer ein bisschen hanseatisch. Ich bin aber seit 14 Jahren hier und würde mal ganz frech behaupten, wenn man zehn Jahre in der Stadt ist, dass man dann assimiliert.

Geraldine: Das heißt, Du bist nach Berlin gekommen, weil du hier in ein Start-up gründen wolltest, weil hier alle ein Start-up gründen?

Phil: Ich bin 98 hergekommen und da war die Situation nicht wie sie heute ist. Da gab es diese Internetszene nicht und den “Move” den jetzt alle hier in die Stadt machen, der ist jetzt sicher anders begründet. Ich bin einfach damals hergekommen, um es ehrlich zu sagen, weil eine gute Freundin hier war und sagte: “Guck Dir die Stadt an, die ist cool!”. Und dann bin ich zwei Wochen auf Ihrem Sofa gewesen und hab dann gesagt, das gefällt mir und ich bleibe hier.

Geraldine: Hast Du ein bisschen Party gemacht?

Phil: Unter anderem auch das. In 14 Jahren macht man das auch mal.

Geraldine: Also lieber Phil – dann hab ich noch eine Frage, und zwar würde gerne wissen, was ist der nervigsten Ort für Dich in Berlin, Dein Lieblingsort in Berlin und was isst Du so am liebsten?

Phil: Was ich am liebsten esse? Ich esse eigentlich relativ viel. Was ich gerne mag, weil ich auch in Korea mal eine kurze Zeit leben durfte, das ist Koreanisch. Liebend gerne kann ich Dir das YamYam in der Alten Schönhauser Straße oder das Hodori an der Yorckstraße empfehlen. Was mich an Berlin nervt, ist die Diskussion über Berlin.

Sowohl der Hype als auch der vermeintliche Gegenaspekt, dass man die Stadt nicht schön findet, weil sie über-hypt ist oder dass man das als belanglos empfindet. Einfach das alles ziseliert wird und debattiert wird, das finde ich mittlerweile ein bisschen anstrengend. Berlin ist wie Berlin ist. Es gibt das neue Berlin, es gibt das ursprüngliche Berlin und es hat für jeden so seine Ecke. Jeder fühlt sich in der Stadt in einem bestimmten Bereich akzeptiert und anerkannt. Und jeder findet seine Nische. Das finde ich schön. Und das immer auseinanderzunehmen und zu sagen, warum sind die Hipster hier, warum ist die Torstraße so, warum sind die Berliner Taxifahrer so vermeintlich unfreundlich. Das finde ich am nervigsten.

Geraldine: Was ist für dich das ursprüngliche Berlin?

Phil: Das ursprünglich für Berlin, so wie ich es kennengelernt habe, ist einfach. Der Ur-Berliner ist für sich in seinem Berlin oder noch besser gesagt, er ist immer in seinem Bezirk. Dort hat er es sehr dörflich. Was man von einer Stadt mit mittlerweile dreieinhalb oder vier Millionen, je nachdem wie man es rechnet, so gar nicht erwartet. Also, er hat seinen Kiez, hat seinen Charme und das alles auf einen bestimmten Bereich von Berlin konzentriert …

Geraldine: Sekunde für alle Österreicher. Kiez ist Bezirk.

Phil: Das hast Du aber im Neu-Berliner, wo die ganzen Hipster rumlaufen, genauso. Das konzentriert sich alles auf drei, vier verschiedene Bezirke und drei, vier verschiedene Straßen, Simon-Dach-Straße, Torstraße und andere Straßen, wo das ähnlich abläuft. Also insofern ähnelt sich das neue Berlin dem Alt-Berlin sehr. Aber was auffällt ist, dass die ganzen Neu-Berliner für sich in der Stadt leben und wenig Kontakt zu den Berlinern haben. Das ist im Endeffekt so. Wenn es mit einem politischen Wort sagt, dann sind das Parallelgesellschaften. In Mitte hat man kaum noch echte Berliner. Und wenn man in den Kreisen wo wir uns bewegen, in der Internet, in der Partys-Szene etc., da sind meist Zugezogene. Da ist dieses Klischee von den Zugezogenen schon treffend.

Geraldine: Okay und jetzt Dein Lieblingsort in Berlin

Phil: Lieblingsort … Viele mögen ihn nicht mehr. Ich mag jedoch den Mauerpark, weil er für mich ideal ist. Ich wohne direkt daneben und da ist immer etwas los. Was ich aber eigentlich mag, das ist die Vielschichtigkeit verschiedener Orte. Ich gehe gern joggen. Eine schöne Joggingstrecke, 20 Kilometer, 10 Kilometer oder fünf Kilometer, einfach durch Berlin. Du nimmst bei solchen Touren ganz viel auf. Wenn der Sommer jetzt rauskommt, hast Du ganz viele Eindrücke und das ist eigentlich viel schöner als an einem ganz bestimmten Ort zu sein. Einfach sich dieses Berlin auf der Straße zu erlaufen.

Geraldine: Möchtest Du hier alt werden?

Phil: Ich kann mir das gut vorstellen. Im Moment fühle ich mich hier sehr wohl. Die alte Diskussion immer wieder mit Freunden, die nicht mehr in der Stadt sind. Denen ist das zu viel. Zu viel Party, zu unruhig, zu hektisch. Und Du überlegst Dir dann, wenn Du über Lebenspläne nachdenkst und über Kinder, willst Du wirklich in diesem Chaos Kinder groß ziehen. Aber im Moment stellt sich die Frage für mich nicht, weil ich mich einfach Sau wohlfühle.

Geraldine: Also was genau? Stellt sich die Frage Kindern nicht oder stellt sich die Frage alt werden nicht?

Phil: Alt werden schon. Aber die Frage ist, ob man in dieser Stadt Kinder wirklich großziehen möchte. Ich kann mir das aber grundsätzlich vorstellen. Im Moment ist die Stadt für mich perfekt.

Geraldine: Gut. Dann sage ich vielen Dank.

Phil: Gerne!

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