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Der Chosun Ilbo veröffentlicht ein Interview mit Michael Geier Botschafter in Korea.
Anbei die Übersetzung des Artikels:

„Die EU ist bereit, einen finanziellen Beitrag zur koreanischen Wiedervereinigung zu leisten.“

„Seit meinem Amtsantritt im August 2003 verfolge ich mit großer Aufmerksamkeit die innenpolitische Entwicklung in Korea, da ich festgestellt habe, wie ähnlich die politischen Probleme, aber auch die politischen Lösungsansätze beider Länder sind.“ Der deutsche Botschafter in Korea, Michael Geier (61) leugnete nicht, dass die große Koalition in Deutschland einen gewissen Einfluss auf die koreanische Politik haben wird. Botschafter Geier sprach über die Veränderungen in der deutschen Innenpolitik unter der neuen Bundeskanzlerin Angela Merkel, Probleme seit der deutschen Wiedervereinigung vor 15 Jahren und aktuellen bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Korea.

- Frau Merkel (CDU) ist die neue Bundeskanzlerin. Der konservativen Partei ist nach langer Zeit wieder gelungen, an die Macht zu kommen.

„Die neue Bundeskanzlerin wird vor allem mit dem Diktat leerer Kassen leben müssen, was den politischen Gestaltungsspielraum weiter einschränkt. In der deutschen Außenpolitik wird sich nicht viel ändern, zumal das Auswärtige Amt von einem sozialdemokratischen Minister geführt werden wird. Die sehr engen Beziehungen aber, die Bundeskanzler Schröder in den Jahren zum russischen Präsident Putin entwickelt hat, wird Frau Merkel nicht übernehmen können und wollen. Andererseits wird sie mit Präsidenten Bush, den sie bereits einmal getroffen hat, enge Beziehungen pflegen. Als Botschafter in Korea hoffe ich, dass die Bundeskanzlerin bald nach Korea kommt, wie es ihr Vorgänger beabsichtigte.“

- Wenn man den Ruhm Deutschlands als Zentrum der Frauenbewegung berücksichtigt, ist es eher spät, dass Deutschland erst jetzt die erste Bundeskanzlerin hat, vor allem im Vergleich zu skandinavischen Ländern.

„Wie ein Politiker der Grünen treffend sagte, hat sich im letzten Jahrzehnt in der öffentlichen Meinung eine stille Revolution vollzogen. Die Stellung der Frauen wurde in allen Parteien, aber auch in fast allen Gesellschaftsbereichen wesentlich verstärkt. Was früher gesellschaftlich marginalisiert wurde, wird heute von der Öffentlichkeit toleriert wie zum Beispiel geschiedene oder homosexuelle Politiker(= Oberbürgermeister von Berlin). Deutschland ist reif für eine kluge Frau an der Spitze.“

- Präsident Roh und die Regierungspartei verfolgt die große Koalition in Deutschland mit großer Aufmerksamkeit.

„Eigentlich haben die beiden großen Parteien die Wahl verloren. Die Sozialdemokraten haben es nicht geschafft, die Koalitionsregierung mit den Grünen fortzusetzen. Und die Christdemokraten mit Frau Merkel an der spitze haben ihr Wahlziel, eine christlich-liberale Koalition, ebenso verfehlt. In dieser Situation gab es – abgesehen von einer Neuwahl, die die Deutschen sicherlich nicht gemocht hätten – eigentlich nur eine Option: die große Koalition. Hintergrund ist, dass man einerseits den Streit der beiden großen Parteien nicht mag und Harmonie wünscht.“

- Deutschland feiert in diesem Jahr die 15 Jahre der nationalen Wiedervereinigung. Was ist anders geworden?

„Die Wiedervereinigung hat uns ganz neue und aufregende Horizonte eröffnet Früher hörte Europa für uns in Berlin auf, jetzt beginnt es dort erst richtig. Wir hoffen, dass die Menschen in den neuen Bundesländern, wie wir die ehemalige DDR nennen, zu ihren und unseren Nachbarn in Polen und der Tschechischen Republik dieselbe tiefe und unproblematische Freundschaft erleben, wie wir sie im Westen schon seit Jahrzehnten mit Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz und Österreich praktizieren. Das wirtschaftliche Hauptproblem des wiedervereinigten Deutschland ist die hohe Arbeitslosigkeit, vor allem unter Jugendlichen und vor allem in bestimmten Gegenden im Osten.“

- Wie sehen Sie die Chance einer koreanischen Wiedervereinigung?

„Die Deutschen werden sicher unter den ersten Gratulanten einer koreanischen Wiedervereinigung sein. Wie ich bereits mehrfach gesagt habe, teilen wir die Befürchtungen der Koreaner nicht. Deutschland und den anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union ist dabei durchaus klar, dass Südkorea die finanziellen Lasten der Wiedervereinigung nicht allein schultern kann und dass Korea dann Anspruch auf internationale Solidarität hat. Dazu sind wir bereit.“

- Was sind aktuelle Themen unter den Diplomaten?

„Wir verfolgen natürlich die innerkoreanischen Gespräche und die Sechsparteiengespräche mit großem Interesse. Zu den bilateralen Beziehungen möchte ich eines sagen. Deutsche Unternehmen, die hier 5 Mrd. Euros investiert haben und über 80 000 Koreaner beschäftigen, fragen sich, ob sie noch willkommen sind. Jedenfalls sind koreanische Investitionen in Deutschland hoch willkommen. Derzeit belaufen sich die koreanischen Investitionen in Deutschland auf ca. 1 Mrd. Euro.“

- Die Freilegung von Cheonggyeochon ist bei uns ein großes Thema…

„Ich wurde vom Bürgermeister von Seoul zur Eröffnungsfeier eingeladen. Weil ich Cheonggyechon so schön fand, habe ich gleich am nächsten Tag mit meiner Tochter und ihr Freund vier Stunden lang dort verbracht. Es war unbeschreiblich schön. Ich habe einmal einen Reisebericht von einem Herrn Genthe von 1901 gelesen. In diesem Buch nannte er Seoul zusammen mit Salzburg und Teheran die schönsten Städte der Welt. Während meines Spaziergangs im Chenggyechon dachte ich, Genthe hatte durchaus Recht gehabt.“

Quelle: Chousun Ilbo

Auf dem Bild sind der Botschafter, meine Freundin und meine Wenigkeit auf dem “Berliner Platz” in Seoul zu sehen.