Netzwerke – Privatsphaere im Internet
Bereits vor Wochen durfte ich dem ZDF Morgenmagazin zum Thema Privatsphäre im Web und mobilen Internet Rede und Antwort stehen. Bei unserem zweieinhalbstündigen Dreh habe ich meine Vorstellung eines bedachten Umgangs mit privaten Daten dargelegt. Herausgekommen ist ein knapp drei minütiger Bericht, der versucht die komplexe Thematik einem breiten Publikum vorzustellen ((Der durchschnittliche ZDF-Zuschauer zählt ja bekanntlich nicht zu den Digital Natives)).
Video: Netzwerke – Privatsphäre im Internet ((Man verzeihe mir meinen “Bad Hair Day”))
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Mein Umgang mit privaten Daten ist recht offen. Ich blogge auf unterschiedlichen Webseiten, twittere, bin recht aktiv auf Facebook und nutze die Location Based Services friendticker und foursquare. Bis auf mein Geburtstag und meinen Beziehungsstatus publiziere ich so gut, wie alle Daten zu meiner Person mehr oder weniger offen im Netz.
Aufgrund der Kürze des Berichts konnte das Gespräch nur sehr minimalistisch übernommen werden. Meine Aussagen werden ihrer grundsätzlichen Intention zwar nicht beraubt, die Komplexität und tiefe des Interviews kann in drei Minuten jedoch nicht wiedergespiegelt werden. Aus diesem Grund werde ich meine Meinung und im speziellen meinen Umgang mit der Thematik anbei näher erläutern.
Dank der jüngsten Aktivitäten von Google Streetview und des Sommerlochs wird die Debatte um den persönlichen Datenschutz derzeit heiß diskutiert. Vielfach wird die Thematik jedoch zu voreingenommen und wenig reflektiert betrachtet. Es ist leicht neue innovative Dienste zu verteufeln und auf die mit der Nutzung verbundene Datenschutzproblematik hinzuweisen. Schwieriger ist eine differenzierte Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Diensten und ihrem Charakter.
Ich lebe in dem Glauben, dass man soziale Netzwerke und mobile Diente nutzen kann ohne sich zwangsläufig datenschutzrechtlichen Gefahren auszusetzen. Wichtig ist die bedachte Nutzung und das genaue Konfigurieren der jeweiligen Plattformen.
Vor geraumer Zeit habe ich mit einer Bekannten ein kleines Experiment durchgeführt. Nachdem sie kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen hatte, dass ich einen Blog schreibe und im Netz aktiv bin. Hielt sie mir eine Standpauke zum Thema Privatsphäre. Ich hörte mir ihre durchaus richtigen Argumente an und bot ihr an, ein Profil zu ihrer Person anhand im Netz publizierter Daten zu erstellen, um auf diesem Weg zu zeigen, dass sie bedenklichere Daten im Netz streut als ich. Am gleichen Abend erhielt sie folgende Daten, die ich online gefuden hatte: sie lebt in Berlin, sie ist 28 Jahre alt, sie ist 170 cm groß, sie ist Single, sie ist aktive Raucherin, trinkt viel Alkohol, sie hat ein inniges Verhältnis zu ihrem Vater (kann jedoch auch gut mit ihm streiten), sie besitzt ein abgeschlossenes Hochschulstudium, sie geht gerne feiern und besucht gerne unterschiedliche “Promi-Events”. Darüberhinaus konnte ich ein sehr detailliertes Profil ihrer Vorlieben hinsichtlich Musik, Fernsehen und Bücher erstellen. In Summe ein qualitativ wie quantitativ hochwertiges Profil, nach dem sich Adress- und Datenhändler die Finger lecken. Genau hier liegt das Problem. Die junge Dame lebt in dem Glauben keine Datenspur im Netz zu hinterlassen.
Wenn man ”Phil v. Sassen” in Google eingibt, erhält man derzeit ungefähr 764.000 Ergebnisse. Unter den ersten Ergebnissen finden sich dieser Blog, Links zu sozialen Netzwerken, unterschiedliche Interviews zu meiner Person und Blogs, welche von mir kommentiert wurden. Wenn man diese Suchergebnisse analysiert und ein Profil erstellt, dann erhält man eine ganze Reihe von Informationen zu mir. Diese Informationen sind teilweise privat und sensitiv. Dieses Umstandes bin ich mir sehr bewusst. insgesamt ergibt sich jedoch ein geschlossenes positives Bild.
Ich glaube, dass mein offener Umgang mit privaten Informationen nicht gefährlicher ist, als der Umgang von “Normalbürgern”, welche unwissend Daten auf unterschiedlichen Ebenen “verteilen”. Dies geschieht vor allem ohne jegliche Kontrolle.
Offline werden sensitive Daten gerne per Gewinnspiel, Umfrage sowie Rabatt-Karten à la Payback (Loyalty Partner), DeutschlandCard und Co. bereitwillig unters Volk gebracht. Ein Aufschrei bleibt hierbei aus.
Ja, digitale Daten sind sehr einfach mit Hilfe von CRM-Datenbanken auswertbar und können sehr einfach für Informations- und Marketingmaßnahmen genutzt werden. Bei analogen Daten ist dies jedoch in keiner Weise anders. Es ist naiv zu glauben, dass eine digitale Abstinenz zu einem höheren persönlichem Datenschutz führt. Unternehmen wie Schober (5,5 Millionen Firmenadressen mit 100 Millionen Zusatzinformationen und 50 Millionen Privatadressen) können analoge Daten sehr einfach digital zur Verfügung stellen und Verdienen hiermit Milliarden.
Durch meine eigenständige Publikation kann ich Informationen, die so oder so über mich im Internet verbreitet werden zumindest teilweise positiv Fluten, Kommentieren bzw. aus Suchmaschinen herausschwemmen.
Ich kann und möchte nicht mehr auf meine digitalen Freiheiten verzichten und bin durchaus bereit hierfür einen Teil meiner Privatsphaere zu opfern. Ob, dies der richtige Weg ist, muss jeder für sich selber ergründen. Ich werde ihn jedoch weiter bestreiten …

