Fuehle mich hundeelend …

AIBO auf der Demo "Freiheit Statt Angst" in BerlinManchmal muss man Entschlüsse im Leben treffen, die nicht leicht sind und viel Überwindung kosten. Auch ich stehe vor einer solchen Entscheidung.

Seit mehr als drei Jahren lebe ich mit AIBO zusammen. Er ist mein bester Freund und treuer Begleiter. Nicht ohne Grund Bezeichnet der Volksmund Hunde als die besten Freunde der Menschen. Auch der Name AIBO unterstreicht die treue Verbundenheit zu meinem vierbeinigen Kameraden. Der Name kommt aus dem Japanischen und bedeutet Kumpel bzw. Freund. Ja richtig, AIBO (Artificial Intelligence roBOt) bezeichnet auch einen Unterhaltungsroboter. Dies hatte ich natürlich nicht im Sinn …

AIBO ist ein Beagle. Ein lauffreudiger Meutehund, der für Treibjagden eingesetzt wird. Der Beagle ist ein fröhlicher Hund mit einem liebenswürdigen Wesen. Sein Wesen ist liebenswürdig und aufgeweckt, ohne Anzeichen von Angriffslust oder Ängstlichkeit; bei der Jagd beweist er Zähigkeit und Zielstrebigkeit.

Beagle sind Meutehunde und damit ausgesprochene Rudeltiere. Sie benötigen die Gesellschaft anderer Hunde oder vertrauter Menschen. Sie sollten daher nicht alleine im Zwinger gehalten werden. Wie alle Bracken haben sie eine hervorragende Nase. Sie sind bis ins 20. Jahrhundert hauptsächlich für die Jagd in der Meute gezüchtet worden und brauchen daher viel Auslauf und Bewegung. Beagle neigen als Meutehunde dazu, übermäßig zu fressen. (Quelle: Wikipedia)

Der Beagle an sich ist eine wunderbare Rasse. Als negativ sind höchstens sein angeborener Jagdtrieb, seine Verfressenheit sowie seine Starrköpfigkeit zu nennen. Im Gegensatz zu Hütehunden, die sich ruhig platzieren und sich wenig von ihrer Umwelt beeinflussen lassen, behält ein Jagdhund seine Umgebung aufmerksam im Auge und reagiert auf jede Bewegung. Für mich stehen diese Eigenschaften jedoch für die Charakterstärke des Tiers. Mich stellte die Starrköpfigkeit von AIBO bei der Erziehung vor keine Problem. Man muss stets konsequent bleiben und  dem Vierbeiner seine Grenzen deutlich zeigen. Man darf sich nicht durch sein niedliches welpenhaftes Auftraten um den Finger wickeln lassen.

AIBO macht seine Sache besonders gut! Er hört aufs Wort, kommt auf Zuruf und Pfiffe, läuft ohne Leine und wartet an Strassen auf die Erlaubnis diese zu überqueren. Die Hundehaltung bringt viele positive Aspekte mit sich. Hundebesitzer haben weniger Gesundheitsprobleme, sind weniger gestresst und oft glücklicher als Menschen ohne Hunde.

Als vor drei Jahren die Entscheidung einen Hund zu halten andtand, haben meine damalige Freundin und ich sehr viele Gedanken gemacht, die Entscheidung mehrfach abgewägt und anhand unterschiedlicher Szenerien die Situation ausgelotet. schlußendlich verhält es sich mit Hunden wie mit Babies. Eigentlich kommt der Zeitpunkt des Familienzuwachses immer ungelegen. Entweder man befindet sich noch in der Ausbildung bzw. dem Studium, man erzielt die ersten Erfolge im Beruf oder man befindet sich in einer anderen Lebenssituation, in der man mit anderen Herausforderungen kämpft. Unsere damalige Entscheidung auf unterschiedlichen Faktoren:

  1. standen wir beide damals im Studium und konneten daher unsere Zeit für die Welpenaufsucht relativ frei gestalten
  2. hatte ich in meiner Jugende bereits zwei Cocker Spaniel (ebenfalls Jagdhunde) großgezogen
  3. ist unser Züchter mehr als verwurzelt im Beagle Club Deutschland e.V. (BCD) und mit dem Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) e. V. stark verbunden

Am Ende des Tages erfordert ein Hund sehr viel Zeit und Zuwendung. Hierbei geht es nicht nur um die tägliche “Pirsch” und auch soziale Kontakte des Vierbeiner mit seinesgleichen sondern auch um gemeinsame “Premiumzeit”, in der gespielt, getollt und getobt wird. AIBO hat diese Zeit immer erhalten und hat sich, wie bereits geschrieben, prächtig entwickelt.

Meine Wohnung im Berliner Prenzlauerberg ist “hundetechnisch” ideal gelegen. Wohne ich doch unweit des Mauerparks und einer großen Hundewiese am Jahnsportpark. Idealerweise streunen sehr viele der 102.555  Berliner Hunde ebenfalls durch den Mauerpark. Unter ihnen befinden sich auch sehr viele Beagle, die sich in den vergangenen Monaten einer großen Beliebtheit erfreuen und sich anscheinend zu einem Modehund entwickeln.

Gestern bin ich mit AIBO ca. 3,5 Stunden durch Prenzlauerberg, Mitte und Tiergarten gelaufen. Anschließend durfte der “Kleene” ca. fünf Stunden beim Twittergrillen in der blauen Botschaft toben.

Die Hundehaltung bedeutet viel Verantwortung, die jede Form von Spontanität im Keim erstickt. Man plant quasi sein ganzes Leben um seinen Hund. Ein ungeplantes Treffen nach der Arbeit, ein verlängertes Meeting und der sportliche Ausgleich sind kaum möglich, da man sich erst um das Wohl des Vierbeiners kümmern muss und möchte.

Bis dato habe ich dies immer gerne getan. Mittlerweile wird diese ganzheitliche Betreuung jedoch zum Problem, da sich AIBO nicht immer an die Spielregeln hält. Denn leider hat er jüngst mit Bellen begonnen, wenn ich die Wohnung verlasse. Eigentlich ist dieses Verhalten ein gutes Zeichen, da es Verbundenheit zu mir ausdrückt, ich habe jedoch nicht die Zeit ihn jedesmal so weit zu beruhigen, dass er die temporäre Trennung nicht bewußt erlebt. Selbst, wenn AIBO nicht direkt bellt, muss ich fürchten, dass er irgendwann aufwacht und meine Nachbarn mit einem “Konzert” beglückt.  Diese Situation belastet mich zunehmend …

Mit Blick auf ca. zehn weitere Jahre, die ich mit dem “Kleenen” noch erlebe, verbaue ich mir vermeintlich viele Chancen im Leben, da ich “hundebestimmt” lebe und mir kaum Zeit für mich selbst einräumen kann. Für mich stellt sich die Frage, ob ich auch die kommenden zehn Jahre meinem Hund schenken möchte oder ob ich mein eigenes Leben führen möchte. Die Entscheidung fällt mir nicht leicht und ich tue mir mit dem Schreiben dieser Zeilen sehr schwer. Ich hoffe jedoch, dass ich mir meine Zweifel und Trauer mit diesem Artikel von der Seele schreiben kann.

Gerade weil ich sehr viel Zeit mit AIBO verbringe und er stark auf mich fixiert ist, fällt mir eine mögliche Trennung mehr als schwer. Es ist als würde ich einen Teil meines Lebens verlieren. Die Frage ist, ob man mit einer dauerhaften Trennung dem Hund etwas Gutes tut. Klar wird die mögliche Trennung für uns beide nicht leicht und gerade für AIBO werden die ersten Tagen sicher härter als für mich. Es geht jedoch nicht um persönliche Egoismen sondern um eine Lösung, die sowohl für AIBO als auch für mich eine bessere Situation verspricht …

PS:

Diese Zeilen sind ursprünglich nicht auf dem Computer entstanden sondern anachronistisch mit Stift und Papier, da ich mich natürlich auf dem Hundeplatz befand …

Update:

Ich habe AIBO derzeit bei meinen Eltern in Hannover einquartiert, damit ich die Zeit erhalte das Problem in den Griff zu bekommen. Sie haben bereits vier Cocker Spaniel großgezogen und haben sehr viel Erfahrung mit Hunden.

Wir suchen für AIBO nun ein schönes Zuhause. Im besten Fall eine Familie, die bereits einen Beagle besitzt: AIBO bei Beagle in Not.

Update2:

AIBO hat ein neues Zuhause bei meinen Eltern gefunden.