Wir Deutschen haben ein Problem mit unserer Identifikation. Nationalstolz und Patriotismus haben in unserer Gesellschaft leider immer einen schalen Beigeschmack. Hier in Korea ist dies ganz anders. Man ist stolz auf sein Land und zeigt dies auch. Das Verhalten beider Länder ist stark durch deren Historie geprägt. In Deutschland trauen wir uns aufgrund der Nazi-Zeit kaum „stolz“ (allein dieses Wort ist verpönt) auf unser Land zu sein. Wir sind eher verdrossen und identifizieren uns nicht mit unserer Nation.
Wir tragen zwar die „Stars and Stripes“ auf der Brust, würden jedoch grosse Probleme mit der Bundesdienstflagge bekommen.
In Korea ist man Patriot und zeigt dies. Am Nationalfeiertag habe ich tausende Korea-Flaggen gesehen und jedes Haus in Seoul ist noch immer mit Flaggen geschmückt. Der koreanische Patriotismus ist ebenfalls in der Geschichte des Landes begründet. Die Koreaner feiern die Befreiung von den japanischen Besatzern und die Gründung ihres Republik. Ich hätte nie gedacht, wie hart Japan in Korea einmarschiert ist. Noch heute wird in japanischen Schulbücher von einer Erleuchtung der koreanischen Gesellschaft gesprochen.
Korea und Deutschland haben aufgrund der Teilung beider Länder viele Gemeinsamkeiten. Ich glaube jedoch, dass dieses Land noch nicht reif genug für eine Vereinigung ist (auch wenn ich mir nicht wirklich ein solches Urteil erlauben kann). Auch wir Deutschen konnten diesen historischen Schritt nur mit einhergehenden Lasten vollziehen.
Ich wuensche mir, dass wir von Korea lernen und den Umgang mit der Geschichte sowie die Identifikation mit unserem Land übernehmen. Wollen wir wirklich für immer das Land der Pessimisten und ewigen Nörgler verkörpern?
Jedes Land hat seine positiven und negativen Seiten, wir sollten jedoch stolz auf unser Land sein dürfen. Wir wurden ja schliesslich zu „kritischen Bürgern“ erzogen und unsere Grosseltern haben das Land im Angesicht ihres Schweisses zu dem gemacht, was es heute ist. Deutschland ist besser als sein Ruf!
du sprichst mir aus der seele, phil..
Es stimmt, dass sie Suedkorea schon sehr stark mit den Folgen einer Wiedervereinigung auseinander setzt und gesetzt hat. Trotzdem wird dieses Thema innerhalb der (besonders der jungen) Gesellschaft nicht einheitlich betrachtet. Oft wird die Tatsache, wie man den Zuwachst von 50% der eigenen Bevölkerung verkraften soll, als Problem genannt. Besonders in der momentanen wirtschaftlichen Lage des Landes (schon zu teuer um gegen China zu bestehen) sehen viele eine Gefahr des Arbeitsplatzverlustet an den Bruder aus dem Norden oder zumindest eine hohe Arbeitslosigkeit im Falle einer Vereinigung auf sich zu kommen. Von den Versorgungsengpaessen bzgl. des Grundnahrungsmittels Reis gar nicht zu sprechen. Also nicht alle stehen einer gemeinsamen Zukunft positiv ausgerichtet gegenüber auch wenn diese langfrsitig natürlich schon immer angestrebt wurde wie man auch an der Kilometerbeschriftung aller S-N Autobahnen sehen kann.
Vermutlich wird sich die koreanische Wiedervereinigung genau überraschend wie die deutsche ereignen, mit einem wesentlichen Unterschied: Im Gegensatz zu den Deutschen, die mangels ernsthafter Auseinandersetzung kein Konzept für das Zusammenwachsen von Ost und West hatten und darum heute noch immer nicht auf die blühenden Landschaften blicken, die Helmut Kohl einstmals versprochen hatte, haben koreanische Wissenschaftler nun schon seit über 15 Jahren die Erfolge und Misserfolge der deutschen Wiedervereinigung eingehend studiert und werden bestimmt nicht die gleichen Fehler noch einmal machen wie die Deutschen.
@Joerg,
finde auch, dass die Situation sich nicht so positiv darstellt. Die Lastern einer Einheit werden von den Koreaner leider oft verdraengt. Am deutschen Beispiel sieht man, welch starke Belastung sich entwickeln kann…
Die DDR war und ist auch nicht reif für die Einheit. Trotzdem hat es sie nicht abgehalten in meine heile Welt einzudringen und sie zu gefährden!!!