Dauerwerbesendung "Mein Restaurant"

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Die deutsche Medienlandschaft ist stetig auf der Suchen nach innovativen Werbeformen und neuen Umsatzmöglichkeiten. Die Rezession geht jedoch auch an ihr nicht spurlos vorbei. Dass die mediale Vermarktung komische Stielblüten annimmt zeigt das Format “Mein Restaurant”. Vordergründig handelt es sich hierbei um einen kulinarischen Wettstreit, der unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgetragen wird. Restaurants aus unterschiedlichen deutschen Städten kämpfen um die Gunst der Zuschauer.

“Bei „Mein Restaurant“ haben fünf Paare in Berlin, Hamburg, Köln, Leipzig und München die Chance, ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Doch bis es soweit ist, haben die Kandidaten einiges zu tun: Denn der Städtewettkampf beginnt nicht mit der Eröffnung, sondern bereits im Rohbau! Acht Wochen haben die Kandidaten Zeit, um aus einer seelenlosen Räumlichkeit ein anspruchsvolles Restaurant zu machen. Keine leichte Aufgabe, denn neben der Zeit ist auch das Startkapital knapp bemessen. Umso wichtiger, dass die Kandidaten alle angebotenen Möglichkeiten nutzen, ihr Budget aufzustocken. Beraten werden sie bei der Umsetzung ihrer Konzepte von einem Architekten und einem Betriebsberater, bewertet von der Jury, bestehend aus TV-Koch Tim Mälzer, Hotel- und Design-Expertin Eva Miriam-Gerstner und Szene-Gastronom und Hotelbesitzer Christoph Strenger.” (Quelle Vox.de)

Das eigentliche Konzept der Sendung ist jedoch die Vermarktung kostenpflichtigen Premiumnummern, die den einzelnen Restaurants zugeordnet wurden. Die Fans und Unterstützer der einzelnen Lokalitäten werden ununterbrochen in “9live-Manier” aufgefordert zum Hörer zu greifen, um die ach so armen Gastronomen zu unterstützen. Denn nur ein Restaurant wird überleben und erhält die Unterstützung des produzierenden Senders. Alle anderen Protagonisten gehen leer aus und müssen ihre Gasträume schließen. Von einem Marketingstandpunkt aus betrachtet eine grandiose Idee. Ergeben sich doch aus dem Konzept der Sendung unterschiedliche Umsatzmöglichkeiten.

Im Gegensatz zu unbeliebten Call-in-Sendungen, die Nachts ausgestrahlt werden und von der werberelevant Zielgruppe gemieden werden, wird “Mein Restaurant” zur Primetime gesendet und erreicht hierbei kaufkräftige Konsumenten. Umsätze kann der Sender auf unterschiedlichen Wegen einfahren. Durch die Schaltung von Werbung in der Ausstrahlung der Sendung, durch eine Ausschüttung der Anrufgebühren und das Sponsoring von Gewinnspielen können diese generiert werden. Eigentlich müsste die Sendung mit dem Hinweis “Dauerwerbesendung” ausgestrahlt werden. Denn wenn es die “größten Hits der 70er” oder “das Magic Springkissen” zu medialer Aufmerksamkeit schaffen, dann ist dieser Hinweis unumgäglich.

Pro7 kämpft derzeit vor Gericht gegen den Vorwurf der Schleichwerbung und unterlag bereits im ersten Verfahren. . Verhandelt wird über die raabsche Wok-WM, bei der man die sportlichen B-Promis vor lauter Sponsoren-Logos nicht mehr erkennen kann. Gestritten wird über die Einschätzung ob es sich bei den raabschen Unterhaltungssendungen um Entertainment oder um eine Sportsendungen handelt. Für letzteres gelten gelockerte Regelungen im Bezug auf Sponsoring und Werbung. Kann man Herrn Raab in dieser Angelegenheit eigentlich kaltblütiges Kalkül vorwerfen oder handelt es sich bei ihm tatsächlich im einen fairen Sportsmann?

Zurück zur Event-Doku “Mein Restaurant” sowie den Finalisten Graurocks und Grinsekatze. Man kann der Produktion einen weiteren Vorwurf machen – das Spiel mit dem Gewissen der Zuschauer. Man nutzt die melankolische Stimmung der Weihnachtszeit, in der man bekanntlich Gutes tut, um den Rezipienten von der Abgabe seines Votings zu überzeugen. Dieses Vorgehen ist moralisch nicht unbedenklich. Dass es funktioniert, zeigen die vielen Partner, welche die Werbetrommel für die kostenpflichtigen Premiumnummern rühren. Ob 1860 München, Hamburg 1, Radio 95,5 charivari, Lotto King Karl oder Schmidts TIVOLI, alle Partner lassen sich gerne vor den medialen Karren spannen.

Komischerweise ist mir der „Hot Button” irgendwie lieber. Zwar wird man auch bei Call-in-Sendungen hinters Licht geführt, am Ende weiß man jedoch, was dort läuft. Dies wird bei “Mein restaurant” leider ganz anders suggeriert …